Nachgefragt: Jugendstatistik

Im Interview erklärt BDKJ-Diözesanleiter Paul Rögler die Rolle der aktuellen Jugendstatistik

Wozu braucht es eine Statistik der katholischen Jugendarbeit in Baden-Württemberg?

Die Katholische Jugendarbeit in Baden-Württemberg in Pfarreien, Verbänden oder Chören ist so weit verzweigt, dass es schwer fällt im Tagesgeschäft einen Überblick über die gesamte Vielfalt zu haben. Da ist es gut von Zeit zu Zeit belastbare Daten zur gesamten Jugendarbeit in den Bistümern Freiburg und Rottenburg-Stuttgart zu haben, die auch gegenüber unseren Partnern in der Politik und den Bistumsleitungen belegen, wie viele engagierte junge Leute bei uns aktiv sind.

Welches Ergebnis hat am meisten überrascht?

Ohne Frage hat uns die konstant hohe Zahl an Engagierten überrascht. In den persönlichen Kontakten der letzten Jahre haben wir immer wieder gehört, dass es schwieriger wird junge Menschen zu finden, die trotz einer höheren Belastung in Schule, Studium oder Beruf sich die Zeit für ein Engagement in der kirchlichen Jugendarbeit nehmen. Ähnliche Rückmeldungen gab es auch im Bezug auf Teilnehmende. Da ist es eine positive Überraschung, dass anscheinend das Angebot der katholischen Jugendarbeit, jungen Menschen einen Ort zu bieten, an dem sie für andere junge Menschen etwas gestalten können, immer noch so attraktiv ist, dass sich die Engagierten die Zeit dafür nehmen.

Die Jugendstatistik sendet also ein durchweg positives Signal aus?

Leider nur teilweise. Die Gesamtzahlen sind zwar relativ konstant, trotzdem gab es Verschiebungen bei der Art des Engagements. Punktuelle Beteiligung an großen Aktionen und Events ist in den letzten Jahren attraktiver geworden – dagegen stehen die wöchentlichen Gruppenstunden unter Druck. Das wirft natürlich grundlegende Fragen nach der Ausrichtung aus: Ist die Gruppenstunde ein Auslaufmodel? Braucht es noch mehr Events? Können große Events wie etwa die 72-Stunden-Aktion oder die Miniwallfahrt dauerhaft ohne die Basisarbeit in den Gruppenstunden funktionieren?  

Wie wird der BDKJ mit den Zahlen weiterarbeiten?

Wie schon erwähnt spielen die Ergebnisse natürlich in der Außenvertretung eine wichtige Rolle. Wir werden daher unsere Ansprechpartner auf den unterschiedlichen politischen und kirchlichen Ebenen über die Zahlen informieren und unsere Wünsche und Forderungen einbringen. Gleichzeitig nutzen wir die Zahlen natürlich auch für die interne Weiterentwicklung unserer Jugendarbeit. Dabei spielen natürlich nicht nur die schon genannten Fragen eine Rolle

Warum gibt es diese Statistik nicht jedes Jahr?

Die katholische Jugendarbeit in Baden-Württemberg ist sehr vielfältig. Das ist natürlich auch positiv. Bei der Erhebung statistischer Daten bringt das aber einen erhöhten Aufwand mit sich. Gerade für die aktiven vor Ort ist es eine zusätzliche Belastung sich neben ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen noch mit statistischen Fragebögen auseinanderzusetzen. Diese Belastung wollen wir so gering wie möglich halten. Auf der anderen Seite ist es auch nicht unbedingt sinnvoll jedes Jahr neue Zahlen zu erheben. Die Jugendstatistik ist ein Instrument mit dem wir langfristige Entwicklungen erfassen wollen, daher genügt es aus unserer Sicht auch die Zahlen im Abstand von mehreren Jahren zu erheben.